Das Osterfeuer – ein kleines, ewiges Brennen

Das Osterfeuer – ein kleines, ewiges Brennen

Warten sie auch? Warten auf die Zeit danach? Die Frage brennt einem unter den Nägeln: Wann kommt es zurück? Wann geht es wieder los mit dem Leben? Wen interessiert es nicht brennenden, wann die Arbeit mit der gewohnten Intensität  wieder aufgenommen werden kann?

Es ist schwer auszuhalten, dass das Leben auf einer kleinen Flamme weiter köchelt. Für viele ist es sogar nur noch ein kleiner Funke, eine glimmende Kohle, die daran erinnert, wie feurig, wie glühende das Leben vor der Krise und ohne Einschränkungen war: Keine Besuche, keine Schule, keine Arbeit, keine Ausflüge, keine Gottesdienste, keine Geburtstagsfeiern mit allen 18 Enkel- und Urenkeln.

Wir warten brennend darauf, dass das Leben zurückkommt. Brennend warten. Nicht nur warten, sondern brennend warten. Es scheint, als würden heute viele eine Erfahrung machen, die sonst nur wenige Menschen betreffen: Die kleine Flamme des Lebens geduldig zu hüten.

Es ist die Erfahrung, dass die Lebensenergie zurückgeht. Manchmal erlischt ein Teil des Feuers, welches wir ein Leben lang in uns tragen. Die Traurigkeit legt nasses Holz ins Feuer. Ein tiefer Seufzer löscht die kleine Flamme, die eben noch lebendig züngelt. Eine Krankheit raubt dem Feuer alle Luft und die Flammen kämpfen um ihr Leben. Ein chronischer Schmerz erstickt die Lebensfreude.

Es gab immer schon Menschen, die keinen Besuch erhielten, Kinder, die nicht in die Schule konnten, Menschen die ihre Arbeit verloren, Menschen mit Behinderungen, die keine Ausflüge mehr machen können, ältere Menschen mit einem Hörgerät, die keinen Gottesdienst besuchen können und Ehepaare, denen Kinder und Enkel versagt blieben.

Jetzt, wo wir alle unser Leben einschränken müssen und unsere Tätigkeiten reduziert werden, müssen wir erfahren, was es heisst, die innere Energie aufrecht zu halten.

Wie geht es aber jenen, die über weite Strecken ihres Lebens mit Einschränkungen leben müssen? Unser Warten wird ein Ende haben. Was aber, wenn das Warten sich in die Länge zieht? Wenn aus dem Warten ein Ausharren und Durchhalten wird? Was wenn die Krise für Menschen zum Alltag wird?

Als sie an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer mit Fischen darauf und Brot. Joh, 21, 9 In jedem Menschen lässt Gott ein kleines Feuer brennen. Er schenkt uns Lebensenergie. Als die Jünger glaubten, Jesus sei für immer gegangen, kam er zurück. Das Feuer des Glaubens war nicht erloschen am Kreuz. Es glühte am Ufer des Sees, es brannte noch in den Seelen der Fischer. Als der Wind an Pfingsten hineinblies, entfachte dieser das Feuer, und es breitete sich aus.

Das Feuer, welches in uns brennt, und welchem die Krise die Luft raubt, müssen wir besonders hüten. Es sind keine grossen Flammen. Aber wo etwas Glut ist in unseren Herzen, da wird der Wind Gottes das Leben wieder entfachen. Tragen wir dieses Leben dann aber auch zu jenen Menschen, die seit langer Zeit darauf brennen, wieder am Leben teilzunehmen. Es wäre ein kleiner Trost, machte uns die Krise solidarischer mit all jenen, die schon immer mit Einschränkungen leben müssen.

Pfarrer Christian Bühler