Es wird wieder gut! Von der Heilkraft der beseelten Welt.

Paul Cézanne: Stillleben mit Früchtekorb, 1888-1890 Paris, Musée d Orsay

Paul schreibt über dieses Bild:
Sehen sie, was ich noch nie habe erreichen können, was ich – ich fühle es – niemals im Portrait erreichen werde, hier bin ich vielleicht nahe daran gekommen … in diesen Stillleben. Ich habe mich gewissenhaft an das Objekt gehalten … Ich habe kopiert … Dies da, sehen sie. Monate der Arbeit sind darauf. Weinen und  Lachen, Zähneknirschen. Wir sprachen von Portraits. Man glaubt, dass eine Zuckerdose keine Physiognomie, keine Seele hat. Aber das verändert sich auch täglich. Man muss sie zu nehmen wissen, diese Herren da… diese Gläser, diese Teller, die Äpfel und Birnen, sie sprechen miteinander, sie tauschen unentwegt Vertraulichkeiten aus

Wer genau hinschaut, der wird sehen, dass auf dem Tisch nichts in Ordnung ist. Der Früchtekorb müsste eigentlich vom Tisch fallen, der Wasserkrug dürfte wohl kaum ruhig stehen und der Tisch kann so gar nicht zusammen halten: Die vorderen Kanten sind nämlich arg verschoben. Dennoch strahlt das Bild eine tiefe Ruhe und Harmonie aus. Alles stimmt und ist doch nicht in Ordnung.

Cézanne hat jeden Apfel tagelang gemalt, bis er ihm genehm war in Farben und Formen. Den Kaffeekrug hat er über Wochen gestaltet, bis der Kaffeekrug ein Kaffeekrug war. Jedes einzelne Detail musste für den Maler stimmig sein. Und siehe da, ohne sich um das Ganze zu kümmern, entstand ein Stillleben voller Stimmigkeit und Frieden.

Cézanne nahm die Dinge, die Einzelheiten, die Details, die Gegenstände ernst. Und siehe da, sie begannen miteinander zu sprechen, sie tauschen unentwegt aus. Harmonie und Frieden, Wahrheit und Schönheit liegen in den Dingen selbst. Durch Zuneigung und Einfühlen, durch Liebe und Mitgefühl, werden sie lebendig und beginnen zu sprechen. Sie erzählen von sich und ordnen die Welt aus ihrem Innern. Gott hat die Welt beseelt. Er hat ihr eine Kraft verliehen, aus sich heraus ganz und heil zu werden. „Nach der Corona Krise, ist nichts mehr wie es war“, sagen die Zeitungen. Gott aber sagt: Wer sich dem Leben und den kleinen Dingen zuwendet und Freude hat an den Details des Lebens und der Schöpfung, wird nicht übersehen können, das in allem immer eine heilende Kraft wirkt. Es ist immer noch, wie es immer war: In allem schafft Gott eine Welt, in der alles seine gute Ordnung hat. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Sommerzeit voller Frieden und Harmonie. Pfr. Christian Bühler