Sternstunde Religion

Viele von unseren Lesern werden vermutlich die beliebten Sendungen am Sonntagmorgen kennen. Sie nennen sich Sternstunden. Da gibt es Sternstunden Philosophie, Sternstunden Kultur und Musik. Unter anderem hat auch die Religion am Sonntag eine Sternstunde im Programm des Schweizer Fernsehens. In einer ruhigen und besinnlichen Atmosphäre werden Glaubensfragen mit aussergewöhnlichen und interessanten Persönlichkeiten besprochen.

Meine Religionsstunden an der Schule oder im Blockunterricht am Mittwochnachmittag und Samstagmorgen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von jenen Sternstunden am Fernseher. Was nämlich die Atmosphäre angeht, sind sie eher unruhig und etwas weniger besinnlich. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der Lärmpegel, verursacht durch private Gespräche die Aufmerksamkeit der Lernenden etwas dämpft. Eine Kerze, die in bester Absicht in der Mitte des Stuhlkreises brennt, um eine besinnliche Stimmung zu schaffen, kann einer kleinen Unachtsamkeit wegen, einem trendigen Niki Turnschuh zum Opfer fallen. Das war es dann mit der Besinnung.

In anderer Hinsicht gibt es wichtige Parallelen. Auch in den Religionsstunden habe ich es mit aussergewöhnlichen und interessanten Persönlichkeiten zu tun. Und Sternstunden können sich auch an einem Dienstagnachmittag auf der Unterstufe um 16 Uhr ereignen. In der Mitte steht eine Kerze und jedes Kind entzündet ein Licht an einem Wollfaden und stellt es vor sich hin. Ein Stern entsteht am Boden. „Welches soll den eure Sternstunde im neuen Jahr werden?“ sind die Schülerinnen gefragt.

„Ich möchte, dass ein Freund der Familie, der sehr krank ist, noch lange, lange leben wird!“ „Wenn ich meine Urgrosseltern, die nicht mehr leben, einmal später im Himmel treffe, dann wäre das meine grösste Sternstunde.“ „Wenn zu Hause Frieden ist, ist meine Sternstunde!“ Eine Antwort gab die andere. Sie wären alle längstens reif gewesen für die sonntägliche Sternstunde. Vielleicht ladet die Redaktion einmal Kinder ein für die Sendung. Sie sind den Sternen einfach noch viele Lichtjahre näher als wir Erwachsenen.

In diesem Sinne wünsche ich allen viele Sternstunden, Begegnungen mit Gott und seinen vielen grossen und kleinen Engeln. Pfr. Christian Bühler