Verenasonntag – das etwas andere Abendmahl.

Es ist etwas verwittert, das kleine Rosenbäumchen in den Händen von Dorothea. Sie steht an der Rückwand der Kirche zwischen Margaretha und Verena. Ein kleiner Junge mit einem sternenbestickten Umhang reicht Dorothea zudem einen Apfel.

Die Legende berichtet, das Dorothea die Tochter einer römischen Senatorenfamilie vom Stadthalten Fabricius in Cäsarea zum Tode verurteil wurde. Sie glaubte daran, nach ihrem Tode im Paradies mit Christus zusammen Rosen zu brechen und Äpfel zu pfücken. „Wenn du zu deinem Gemahl in den Garten kommst, so schicke mir doch von den schönen Rosen und den süssen Äpfeln welche zu!“ spottete Theophilus der Schreiber des Stadthalters.

Als Dorothea zur Richtstätte kam, betet sie und ein „goldlockiger Knabe in sternbesticktem Kleidchen mit einem Korb voller Rosen und Äpfeln trat vor sie hin. Dorothea schickte ihn zu Theophilus, neigte sich und wurde enthauptet. Das Kind brachte Rosen und Äpfel zu Theophilus und wurde vor seinen Augen entrückt!“

Theophilus wurde darauf Christ. Brot und Wein reichte Jesus seinen Jüngern vor seinem Tod. Rosen und Äpfel brachte er Dorothea. Ein Abendmahl der etwas anderen Art. Nicht Leib und Blut, sondern Rosen und Äpfel, blühendes und fruchtbares Leben kommen vom Himmel auf die Erde, mitten aus den Sternen heraus. Es sind die Blüten und Früchte des Sommers, die uns an das ewige Werden und Leben erinnern. Immer wieder flüstert uns Gott durch die Schönheit und die Fruchtbarkeit seiner Schöpfung zu, dass er uns zu allen Zeiten nahe ist. Aus dem Verenasonntag, an dem kein traditionelles Abendmahl möglich sein wird, wird wohl dieses Jahr ein Dorotheasonntag, wo wir mit Rosen und Äpfeln des „Christus gedenken wollen“. Pfr. Christian Bühler