Wort zum neuen Tag 07.04.2020

In Getsemani

Da kommt Jesus mit ihnen an einen Ort namens Getsemani und sagt zu den Jüngern: Bleibt hier sitzen, solange ich weg bin und dort bete. 37 Und er nahm Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich, und er wurde immer trauriger und mutloser. 38 Da sagt er zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt, bleibt hier und wacht mit mir. 39 Und er ging ein wenig weiter, fiel auf sein Angesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matthäus 26,36-39

Guten Tag!

«Nicht wie ich will, sondern wie du willst.» So betete Jesus auf dem Weg zum Prozess und in Erwartung seiner Verurteilung. Chagall nannte das Bild «Einsamkeit». Einsam war Jesus auch. Sein Gebet blieb unbeantwortet und die Freunde fielen in einen tiefen Schlaf. Gott hat es nicht geändert. Das Urteil wurde vollstreckt. Sein bester Freund kannte ihn später nicht mehr. Jesus blieb alleine mit seiner Angst.

Nein. Die Dinge ändern sich nicht. Der Rabbi hält die Thora, das Buch des Bundes und des Lebens in seinen Händen, aber er ist einsam. Das Rind hat das wunderbarste Instrument vor sich, aber es kann nicht darauf spielen. Der Engel fliegt über eine düstere Landschaft, fliegt über die Heimatdörfer und Städte Chagalls, wo er nie mehr wird zu Hause sein. Der Engel greift nicht ein. Nein die Dinge ändern sich nicht.

Chagall ist ein besonderer Maler der Moderne. Er hat nie abstrakt gemalt. Er hat beispielsweise die Gesichter der Menschen oder die brennenden Häuser seines Heimatdorfes nie als Farbflächen gemalt. Der wandernde Jude hat stets einen Rucksack und einen Hut und marschiert gut als solcher erkennbar durch die Luft. Chagall malte die Dinge, so wie sie sind. Die Dinge ändern sich nicht.

Was sich aber ändern lässt, ist die Beziehung der Dinge zueinander. Chagall wirbelte die Menschen durch Luft, lässt Liebespaare auf dem roten Hahn reiten und den Eifelturm in beängstigende Schieflage geraten. Ein Geiger sitzt auf dem Dach und ein weisses Rind liegt in der Stube beim Tee zu Tisch. Der Einsame und Verlassene hält das Wort Gottes in den Händen. Wo kein Wort mehr hinkommt, wo es nichts mehr zu sagen gibt in der Einsamkeit, in der Fremde, im Leid dort erscheint die Thora.  Wo das Wort Gottes eigentlich gar nicht mehr sein kann aus menschlicher Sicht, dort erscheint es.

Wo keine Antwort mehr kommt auf die Bitte im Gebet, den Weg zu ändern, das Schicksal zu ändern, halten Chagall und der Rabbi an ihrer Schriftrolle fest. Der von Gott verlassene einsame Rabbi, hält das Wort Gottes, hält Gott selbst in den Händen. Aus dem Bild spricht der tiefe Glaube, dass nicht wir Menschen diese Welt ordnen, sondern Gott. Es ist vielleicht mehr als ein Glaube. Es ist für Chagall und viel Menschen die einzige vernünftige Möglichkeit, die Welt zu verstehen und sich vorzustellen, dass was unabänderlich erscheint, doch wenigsten anders geordnet werden könnte.

Getsemani

Das Holz blieb Holz,

der Stein blieb Stein

Der Verräter übte den Verrat

Der Hahn bleibt Hahn und kräht

Das Volk war das Volk und wählte

Der Richter blieb Richter

Gesetz war Gesetz

Der Herrscher blieb Herrscher

Gesagt war gesagt

Der Nagel hielt fest

Der Tod blieb sich treu

Nur der Stein lag nicht da

Wo er sein sollte

Der da lag

Lag nicht mehr

Der da lag

Ging aufrecht

Nein, die Dinge ändern sich nicht

Sie bleiben nur nicht dort

Wo sie immer schon waren

Nichts wird mehr da sein

Wo es war         

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag und bleiben sie gesund. Pfr. Christian Bühler

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